LifeArt – Soziale Plastik – Werksatz – Permanente Kreation

VER-Suchende Positionen aus unterschiedlichen Bereichen der Lebens-Forschung, der Lebens-Gestaltung, der Lebens-Bildung, der Lebens-Kunst sind für mich Inspirationsquellen, in denen ich soziale, ästhetische, persönliche, gesellschaftliche Prozesse mit ihren Erfahrungen als schöpferische WERKE als erweiterte KUNST-WERKE erkenne.

Ich selbst VER-Suche diese vielgestaltigen Ansätze in Begegnungs- und Spiel-Räumen umzusetzen und sie in ein alltägliches, lebendiges Handeln einfließen zu lassen. Auf dieser Seite möchte ich meine Gedanken und Interessen teilen – als einladende und bewegende Impulse.

Zu meinen SPIEL-RAUM- und Seminar-Angeboten findest du hier Termine und Einblicke:

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Und das bewegt mich gerade: SPRACHE & VERFLECHTUNGEN

Seit einiger Zeit sammeln sich Eindrücke zu den Themen Ausdruck, Sprache, Form-Werdung, die sich in mir irgendwie zu etwas verflechten und auch selbst mit Verflechtung zu tun haben. Es sind noch lose Anknüpfungspunkte zwischen denen ich meine Gedanken knüpfe.

Eine dieser Begegnungen war mit GESTEN im Museum für Kommunikation in Frankfurt : dass unsere Gesten-Sprache sich ableitet von alltäglichen HANDlungen _ HANDWerkzeugen und sich heute zu einem berührlosen Bedienungsinstrument für computergesteuerte Maschinen entwickelt – über sowas wie eine sensorische Touch-Screen. Das Forschungsprojekt Manuact beschäftigt sich mit dem HANDhaben eines Spinnrads und der Spinning Jenny > http://www.manuact.org/https://ars.electronica.art/futurelab/project/manuact/

Das führte mich zu Michael Tomasello, der den Ursprung der Sprache auf die Gesten-Kommunikation zurückführt. Sein sozialpragmatischer Ansatz orientiert sich an der Notwendigkeit, dass SPRACHE in Gemeinschaften für eine Koordinierung von HANDlungsaufgaben entwickelt werden musste. Die Kommunikation löste sich vom greifbaren, verbindenden Handlungsgegenstand zu einer stellvertretenden Geste – eine Entwicklung die z.B. bei Schimpansen nicht stattfand.

Tomasello überträgt das auf die kindliche Sprachentwicklung, die ihm zufolge damit beginnt, dass ein Kind auf etwas zeigt und damit eine erste kommunikative Verbindung herstellt – im intuitiven Teilen einer Wahrnehmung, im vielleicht intuitiven Erwarten, dass eine ähnliche Bedeutung darin gesehen wird, also sein Zeigen verstanden wird.

unsere sprache entsteht aus handeln – meine sprache entsteht aus zeigen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn auch meine leeren hände sprechen und handeln … und dann doch immer wieder etwas formen und sprechen …

Eine nächste Anknüpfung empfand ich bei der bengalischen Bildhauerin Meera Mukherjee – eine Schülerin von Toni Stadler, wie mein Bildhauerlehrer Michael Croissant. Eine Zeichnung von ihr begleitet mich seit meiner Reise in Bengalen 1999. Meera Mukherjee ging bei den Gharva Kunsthandwerkern von Bastar in die Lehre:

„Bei der Arbeit mit diesen überragenden Handwerkern konnte ich die Aufregung spüren, die ich bei dem Gedanken empfand, dass hier die gleichen Hände und Finger am Werk waren, die jene großen Tanjore Bronzefiguren geschaffen hatten und dass ich damit Teil davon war. Ich erlebte ihre völlige Hingebung bei ihrer Arbeit an heilige Bildern, die verehrt und angebetet wurden und ich fragte mich, könnten wir moderne Künstler in unserer Arbeit nicht den gleichen hingebungsvollen Geist entwickeln? Warum können wir beim Schaffen einer Figur, die nicht mehr Abbild eines Gottes, sondern weltlicher Dinge ist, nicht die gleiche geistige Hingabe empfinden?“

Mir sind noch Worte von Michael Croissant im Kopf, die er uns von seinem Lehrer beim Akt-Modellieren weiter gab : “ … die Körper von innen modellieren … “ Ich weiß nicht, ob ich sie damals verstanden hatte – mich hinein fühlen ? Vielleicht verknüpft sich das jetztmit den Worten Meera Mukherjees‘ zur geistigen Hingabe, zur Hingabe hinein in die weltlichen Figuren. Sie sprechen lassen mit unserer erfühlbaren Sprache – im Anschauen und hinein fühlen ? Ein Werk als ein Hin-Zeigen auf etwas einst real Erfassbares. Wenn die Sprache uns vom greifbaren Gegenstand, vom greifbaren Handeln entfernt hat zur gegenseitig verständlichen Gesten-Sprache, was ist dann die Sprache der Kunst in ihren HANDlungen und HANDwerken ?

unsere gegenwärtige sprache entsteht aus ge-fühlen – meine gegenwärtige sprache entsteht aus ge-fühlen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn meine gefühlvollen hände räume oder hohlräume schaffen – deren äußere wände oder gestalten sprechen … und wir uns darin begegnen …

Ich las von der kolumbianischen Wandmalerin Teca : dass der Zopf eine Metapher ist für Frausein, für Schwarzsein und für sich verteidigen zu müssen. Im Widerstand der Schwarzen in Kolumbien ab dem 16. Jahrhundert haben sich Zöpfe zu einem Element der Identität entwickelt. In Zöpfe wurden Landkarten geflochten, Samen zum eigenen Anbau oder gestohlene kleine Goldstücke. Zöpfe stehen auch heute noch für den Zusammenhalt von Gemeinschaften. Teca trägt dieses mystische Symbol mit dem Frauenkollektiv MalaJuntaKlan auf Wände in der Stadt Cali. Aus ihren Zöpfen entstehen Figuren, Tiere und geschwungene Muster.

Sie erzählen von ihren und unseren Wurzeln, sie flechten weibliche Zöpfe weiter mit den bewahrenden Botschaften einer freien gleichberechtigten Gesellschaft. Die ersten Spuren von geflochtenen Körben sind wahrscheinlich vor 12.000 hergestellt worden als Sammel-Behälter für die verschiedensten nutzbaren Güter und ebenso alt sind wahrscheinlich die geflochtenen Zöpfe der Haare. Waren das nützliche praktische Erfindungen verwoben mit intuitivem symbolischem Wissen um die Strukturen von lebenserhaltenden Energien und Netzwerken ? In vielen Ornamenten ist dieses Muster schon immer enthalten und ziert erinnernd unseren sich wandelnden Alltag.

unsere uns wandelnde sprache entsteht aus Vernetzungen – meine mich wandelnde sprache entsteht aus Vernetzungen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn mein ideenstiftendes schaffen in einem permanenten sich verflechtenden anders sein und anders wahrnehmen aufgehoben ist – wenn mein handwerkliches schaffen in einem fortlaufenden sich verflechtenden verbundensein aufgehoben ist … wie empfinde ich im werk das gemeinschaftliche, die soziale plastik …

Kosmogramme, zu denen ich eingeladen wurde, stehen für mich damit irgendwie in Verbindung, auch wenn ich mich diesen Zugängen noch sehr vorsichtig und fragend nähere. Sie entstehen nach den Lehren der Geomantie (dem Erleben der unsichtbaren Dimensionen der Natur) als Kommunikationsmittel zwischen Erde – Universum – Mensch, zeugen von energetischen, seelischen Beziehungen. Sie machen Schwingungsmuster der Erde oder des Universums durch die übersetzende menschliche Kreativität für das menschliche Bewusstsein deutlich – oft in Steine gearbeitet und an Orten zur Heilung aufgestellt oder hinterlassen.

Etwas schwingt dabei in mir, wenn ich daran denke wie ich so oft meine Zeichen hinterlasse, wenn ich draußen unterwegs bin – in flüchtigen und vergänglichen Spuren – ohne die Annahme, dass mich dabei eine äußere Kraft der Orte inspiriert. Ich verstehe das als Versuch meine innere Wahrnehmung zu erfassen und sie dem Ort anzuvertrauen … aber ich lasse auch zu jetzt, dass ich natürlich durch die Stimmung der Situation zu meinen Zeichen bewegt werde.

Auch beim Earth Run von Anna Halprin laufen wir mit unserem Bewegtsein an Orten, die Krieg, Gewalt oder Zerstörung erlebt haben und hinterlassen heilende Linien, Botschaften. Unsere persönlichen Versprechen dabei, für was wir laufen, verbinden uns mit einem bestärkenden Gefühl des Zusammenhaltes miteinander, des Friedens über Nationen und mit der Natur > https://planetarydance.org/the-dance/

unsere schwingende sprache entsteht aus Verletzungen – meine schwingende sprache entsteht aus Verletzungen : was heißt das für mich als bildhauer, wenn meine spuren der bewegungen heilen können, wenn meine leeren hände und gesten bestärken können, wenn meine formenden hände verfestigen können … was heißt das für mich als mensch …

Zu erfahrbaren Antworten auf meine Fragen laden wir alle ein zu unseren Offenen ERMUTIGENDEN Räumen BEWEGENDEN Begegnungen …